Die Zukunft liegt in der eigenen Region

In den Metropolregionen ist eine Neuausrichtung des touristischen Marketings nötig.
Tagestourismus

- Tagesbesucher und innerregionaler Tourismus sind extrem unterschätzte Faktoren im Tourismus. Doch die Corona-Krise macht ein Umdenken notwendig: Zwar ist der Deutschlandtourismus in aller Munde, doch gerade die Metropolregionen benötigen ein aktualisiertes Gesamtkonzept für ihre regionalen Angebote. Da Tagestouristen wichtiger werden, muss sich  das Marketing verstärkt auf das direkte Umfeld ausrichten. „Andernfalls wird der Verlust an Unternehmen und Arbeitsplätzen in der touristisch orientierten Wirtschaft in den kommenden Monaten kaum zu verringern sein“, so Dietrich von Albedyll, Geschäftsführer von RAIKESCHWERTNER Tourismus und über 25 Jahre Leiter von Hamburg Tourismus.

Von Albedyll kennt das Thema gut aus seiner Zeit als Hamburgs oberster Tourismuschef. So liegt der touristische Bruttoumsatz innerhalb der Metropolregion Hamburg bei einem Umsatz von rund 17 Milliarden Euro (Jahr). Die Stadt profitiert davon mit rund 1,7 Milliarden Euro an Steuern. Der Anteil der Tagestouristen liegt hier bei 61% mit jährlich rund 160 Millionen Besuchen in der Stadt. Dies ist eine nicht zu unterschätzende Größenordnung. Die Übernachtungsgäste sind mit 39 % am touristischen Bruttoumsatz beteiligt.

Das sind Gäste, auf die der Tourismus jetzt dringend angewiesen ist, da die Zahl der Übernachtungsgäste vorerst niedrig bleiben wird, ist sich von Albedyll sicher. Geschäftsreisen – ein wichtiger Faktor gerade für die größeren Städte – werden nicht mehr auf den Vor-Pandemie-Stand ansteigen. Viele Geschäftsleute haben sich mittlerweile gut mit Videokonferenzen arrangiert und sehen die Vorteile der wegfallenden Reisen. Internationale Reisen, insbesondere in die engen Großstädte werden nur langsam wieder zunehmen und Messen und Kongresse sorgen – zumindest bis 2021 – auch nicht für mehr Besucher.

Der Tourismusexperte empfiehlt, die eigenen Marketingpläne zu überprüfen und nennt die aktuelle Kampagne „Nah! Statt fern“ der Stuttgarter als gutes Beispiel. Neben einer regionalen Aussteuerung sollten insbesondere die Vernetzung und Kooperationen der touristischen Leistungsträger innerhalb der Region vorangetrieben werden. „Warum nicht pauschale Pakete für eine Urlaubswoche vor der Haustür anbieten?“, so von Albedyll. Viele Menschen sind nach wie vor unsicher, wie sie ihren Sommer verbringen und auch die Herbstferien werden wohl nicht ohne Einschränkungen ablaufen. Kreative Ideen haben hier nach von Albedylls Einschätzung gute Chancen. Dazu müssen klare Service- und Informationsangebote den Menschen zeigen, wie dabei ihre Gesundheit geschützt wird. Verbände, das städtische regionale Tourismusmarketing und die meist gut etablierten touristischen Netzwerke müssten hier dringend aktiv werden und Budgets entsprechend umschichten. „Die Mittel jetzt richtig einzusetzen und damit die Tourismuswirtschaft nachhaltig zu stärken, ist wichtiger als nur Unternehmenshilfen auszuschütten“, so von Albedyll.